Vor gut 70 Jahren erschien in der Zeitschrift für Physik ein Beitrag des indischen Physikers Satyendra Nath Bose mit dem Thema Plancks Gesetz und Lichtquantenhypothese, in dem zum ersten Mal das Plancksche Strahlungsgesetz im Rahmen der statistischen Mechanik hergeleitet wurde. Neben der Gesamtbedeutung dieser Arbeit ist vor allem bemerkenswert, dass sie auf einem fundamentalen, aber damals noch kaum geläufigen Konzept der Quantenmechanik beruht, nämlich auf der Ununterscheidbarkeit von gleichartigen Teilchen. In seiner Arbeit nimmt Bose an, gleichartige Teilchen seien ununterscheidbar, ohne jedoch diese Annahme zu rechtfertigen, und leitete mit ihrer Hilfe direkt das Plancksche Strahlungsgesetz her.

Interessant ist auch die Anmerkung des Übersetzebose+einsteinrs am Ende der Arbeit: ´´Boses Ableitung der Planckschen Formel bedeutet meiner Meinung nach einen wichtigen Fortschritt. Die hier benutzte Methode liefert auch die Quantenmechanik des idealen Gases, wie ich an anderer Stelle ausführen will.´´  Bereits acht Tage nach Eingang des Manuskripts von Bose berichtet jener Übersetzer, kein geringerer als Albert Einstein, in einem Vortrag vor der preussischen Akademie der Wissenschaften am 10. Juli 1924 über seine Quantentheorie des einatomigen idealen Gases. Mit dieser Arbeit handelt sich Einstein die Kritik von Ehrenfest und anderen Kollegen ein, weil er und Bose die Ununterscheidbarkeit der Teilchen ohne jede Diskussion verwendet hatten. Diese Diskussion holt Einstein in der zweiten Abhandlung nach, die er am 8. Januar 1925 der Akademie vorlegt. In dieser Arbeit wird zum ersten Mal die klassische Gastheorie, die gleichartige Teilchen als unterscheidbar annimmt, der neu entwickelten quantenmechanischen Gastheorie, in der gleichartige Teilchen als ununterscheidbar gelten, gegenübergestellt.

In derselben Abhandlung beschreibt Einstein auch das nach ihm und Bose benannte Phänomen der Bose-Einstein-Kondensation. Er behauptet, dass unter gewissen Umständen ´´...etwas Ähnliches eintritt wie beim isothermen Komprimieren eines Dampfes über das Sättigungsvolumen. Es tritt eine Scheidung ein; ein Teil >>kondensiert<<, der Rest bleibt ein >>gesättigtes ideales Gas<<...´´. Es ist wohl kein Zufall, dass sich der Vergleich zwischen klassischer und quantenmechanischer Gastheorie und die Beschreibung jenes Kondensationsphänomens in derselben Abhandlung befinden; denn tatsächlich ist das Konzept der Ununterscheidbarkeit  gleichartiger Teilchen eine notwendige Voraussetzung für die Bose-Einstein-Kondensation.

Einsteins berühmte Veröffentlichung basierte also auf der von Bose. Sie erschien ungefähr ein Jahr vor der Entwicklung der Quantenmechanik. Es war das erste Mal, dass sich jemand auf de Broglies neue Idee der Materiewellen bezog oder sie verwendete. Einstein war 46 Jahre alt, als er dieses Paper veröffentlichte. Soviel man weiß publizierte er keine weiteren Kommentare darüber bzw. über dieses Thema.